"Geschichte al dente" ... Vorkauer, Zahnbrecher und falsche Zähne
So gern wir die Vollkommenheit der Schöpfung preisen, so sehr sind wir doch davon überzeugt, dass es sich beim menschlichen Gebiss um eine Fehlkonstruktion handelt. Nicht von ungefähr ist die Geschichte der Zahnheilkunde gleichsam eine Schreckensbilanz voller Schmerzen und unzulänglicher Behelfskonstruktionen. Der Zahn der Zeit nagt eben vorzugsweise an unseren Beißern. Das war schon in grauer Vorzeit so, aber damals konnte man wenigstens noch auf die Institution des Vorkauers zurückgreifen - bei Naturvölkern ist es bis heute Usus, dass die Enkel ihren zahnlosen Großeltern die Nahrung entsprechend aufbereiten. Die Idee, ersatzweise auf falsche Zähne zurückzugreifen, ist keineswegs neuzeitlichen Ursprungs, sondern so alt wie die Zahnlücke. Kaum zu glauben, was sich unsere Altvorderen im vorderen Orient, am Nil oder in den Anden so alles einfallen ließen, um trotz Zahnverlust weiterhin herzhaft zubeißen zu können. Die Bandbreite reicht vom Schnitzwerk aus Holz, Knochen oder Elfenbein über das "Bio-Implantat" aus dem Mund eines armen Schluckers bis zur leicht entflammbaren Zelluloidprothese. Nicht minder kurios und schmerzensreich die Methoden der Dentisten alter Schule, die im Mittelalter sehr treffend "Zahnbrecher" genannt wurden.
Diese Spezialisten - Heiler und Schinder in Personalunion - bekämpften die Schmerzen bisweilen mit noch größeren Schmerzen, etwa indem sie faule Zähne mit glühenden Nägeln ausbrannten. Überhaupt wurde dem Patienten früher auf alle nur erdenkliche Weise ohne Betäubung und mit Brachialgewalt auf den Zahn gefühlt.
Im Zeitalter der schmerzfreien Dentalkosmetik, die im Patienten einen König sieht, dessen Kauwerkzeugen im Bedarfsfall schmucke Kronen aufgesetzt werden, können wir da nur milde lächeln – und unsere makellosen Zähne zeigen.
Erlebnisideen Wellness finden Sie hier:

Sonntag, 3. Februar, 13.05-13.30 Uhr, Bayern 2
radioZeitreisen
"Geschichte al dente"
Vorkauer, Zahnbrecher und falsche Zähne
Ein dentalhistorischer Exkurs von Ulrich Zwack
Diese Spezialisten - Heiler und Schinder in Personalunion - bekämpften die Schmerzen bisweilen mit noch größeren Schmerzen, etwa indem sie faule Zähne mit glühenden Nägeln ausbrannten. Überhaupt wurde dem Patienten früher auf alle nur erdenkliche Weise ohne Betäubung und mit Brachialgewalt auf den Zahn gefühlt.
Im Zeitalter der schmerzfreien Dentalkosmetik, die im Patienten einen König sieht, dessen Kauwerkzeugen im Bedarfsfall schmucke Kronen aufgesetzt werden, können wir da nur milde lächeln – und unsere makellosen Zähne zeigen.
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Vorkauer, Zahnbrecher und falsche Zähne
Ein dentalhistorischer Exkurs von Ulrich Zwack
event - Feb 1, 08:47
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